MOTORRAD stellte Experten aus der Reifenindustrie häufige
Fragen rund um das Thema Motorradreifen. Hier eine Zusammenfassung der
Antworten.
Gibt es so etwas wie Garantie auf Reifen?
Ja, grundsätzlich gilt die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Für
Herstellungsfehler gibt Avon bis zu fünf Jahren Garantie.
Robert Rost, Avon
Die Gewährleistung von zwei Jahren gilt für Mängel, die der Reifen zur Zeit
des Verkaufs hatte. Schäden, die der Reifen während des Gebrauchs erleidet,
fallen nicht darunter.
Ronald Kabella, Dunlop
Wie lange kann ich einen Reifen lagern, ohne dass er Schaden nimmt?
Nach der Richtlinie des Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie
kann ein Reifen zehn Jahre gelagert werden.
Aaron Lang, Pirelli
Bei fachgerechter Lagerung (trocken, dunkel, kühl, ohne Druck) bis zu 6 Jahre.
Thomas Poltrock, Continental
Wie kann es sein, dass Reifenhersteller die Freigabe einzelner Modelle für
bestimmte Motorräder verweigern, diese aber bei Dritten gegen nicht
unerhebliche Gebühren erhältlich sind?
Wir geben Reifen nur dann für die Nachrüstung frei, wenn wir diese gemeinsam
mit dem Motorradhersteller getestet haben und die Tester und Techniker beider
Seiten ihn für geeignet befinden. Die deutsche Gesetzgebung ermöglicht es aber
auch Dritten, solche Freigaben bei Prüfinstituten zu erwirken und die damit
verbundenen Kosten an den Motorradfahrer weiterzugeben.
Ronald Kabella, Dunlop
An wen, wenn nicht an den örtlichen TÜV, muss man sich wenden, wenn man
einen bestimmten Reifen, für den weder der Hersteller noch sonstige »freie
Anbieter« eine Freigabe parat haben, eintragen lassen will?
Es gibt nur die Möglichkeit einer Einzelabnahme bei TÜV oder Dekra mit einer
technischen Bescheinigung oder Teilegutachten.
Robert Rost, Avon
Wie lange müssen wir noch mit Reifen aus Gummi leben?
Solange es keinen besseren Werkstoff zur Reifenherstellung gibt.
Tim Röthig, Bridgestone
Es gibt keinen Ersatz für Gummi – auch nicht in absehbarer Zeit.
Robert Rost, Avon
Warum sind die Hersteller nicht in der Lage, einen Reifen ohne diesen
schmierigen Oberflächenfilm auszuliefern, der einen zwingt, die ersten
Kilometer wie auf rohen Eiern zu fahren?
Wäre es nur ein Film, könnten wir ihn entfernen. Tatsächlich aber verlangt
die Oberflächenstruktur, die der Reifen während des Vulkanisationsprozesses
und der Lagerung unvermeidlich annimmt, dieses Einfahren.
Ronald Kabella, Dunlop
Das Einfahren der Reifen ist notwendig, da die im Straßeneinsatz unter Schlupf
entstehende raue Oberfkläche in der Heizform nicht erzeugt werden kann.
Christoph D. Kröger, Metzeler
Werden Reifen, die schon lange auf dem Markt sind, eigentlich noch
weiterentwickelt?
Die Weiterentwicklung eines bestehenden Reifens beschränkt sich in der Regel
auf Feinarbeiten wie zum Beispiel kleinere Korrekturen am Profilbild. Jede
konstruktive Veränderung verlangt nämlich eine neue Homologation des Reifens.
Ronald Kabella, Dunlop
Warum sind Reifen schwarz?
Durch die Beimengung von Ruß in das Reifengummi. Die Michelin-Reifen Pilot
Sport, Pilot Road und Anakee können aufgrund der verwendetete 100-prozentigen
Silikatmischung statt des Rußes auch in fast jeder beliebigen Farbe hergestellt
werden.
Reinhard Sucher, Michelin
Es sind alle Farben möglich, allerdings werden Reifen nur in Schwarz von den
Kunden angenommen.
Robert Rost, Avon
Welche Funktion hat die Reifenflanke?
Sie ist das Bindeglied zwischen Lauffläche und Wulst, überträgt alle
auftretenden Kräfte und übernimmt einen Teil der Federungs- und Dämpfungsarbeit.
Zudem bietet sie Platz für die Kennzeichnung des Reifens.
Aaron Lang, Pirelli
Sie gewährleistet die Flexibilität des Reifens im gewünschten Rahmen. Eine
hohe Flanke unterstützt den Komfort und die Eigendämpfung, eine niedrige
Flanke erhöht die Präzision und die Hochgeschwindigkeits-Tauglichkeit.
Ronald Kabella, Dunlop
Welchen Einfluss hat das Profil auf das Fahrverhalten?
Mehr Profil gibt den Reifen mehr Nassgrip, weniger Profil erhöht die
Langlebigkeit.
Robert Rost, Avon
Die Profilgestaltung beeinflusst unmittelbar die Drainage bei Regen sowie das
Verschleißbild und über die Eigenbewegung der Positivprofilanteile mittelbar
auch Präzision, Haftung und Betriebstemperatur des Reifens.
Ronald Kabella, Dunlop
Bieten extrem mittig abgenutzte Reifen weniger Grip bei Schräglage als rund
abgefahrene?
Eckig abgefahrene Reifen haben bei Schräglage eine kleinere Aufstandfläche und
damit weniger Grip. Außerdem mangelt es ihnen an Kurvenstabilität, und sie
sind aufgrund der vergrößerten Aufstandsfläche bei Geradeausfahrt längsrillenempfindlicher.
Ronald Kabella, Dunlop