Tagung der Interessengemeinschaft GL 1800

in Rödermark vom 17.1.2004

 

 

Superärger mit dem Supertourer. Unter diesem Motto stand der Erfahrungsaustausch, den die IG

GL 1800 am 17. / 18. 1.2004 in Frankfurt – Rödermark veranstaltete. Gold-Wing Fahrer hatten hier die Möglichkeit, sich zu informieren und über ihren  Ärger mit der 18er zu berichten.. Zu diesem fast schon familiären Treffen waren die Teilnehmer aus verschiedenen Bundesländern angereist. Der älteste GL-Fahrer  war 67 Jahre alt und der am weitesten angereiste kam aus Berlin mit 670 Km.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zuerst durfte sich jeder in der Anwesenheitsliste eintragen

Zuerst durfte sich jeder in der Anwesenheitsliste eintragen

 

Tagungsthemen und –ablauf:

Einleitung:

Ein Reisedampfer der Superlative wurde den Interessenten bei der Markteinführung der GL 1800 versprochen. Als die Königin unter den Motorrädern wurde sie in der Hochglanzwerbung von Honda gepriesen. Doch nach rund 2 Jahren Bewährung im Alltag hat sich bei vielen Gold-Wing Fahrern eine gewisse Ernüchterung und auch viel Frust eingestellt. Die von der Perfektion des Vorgängermodells verwöhnten Fahrer beklagen immer wieder technische Schwierigkeiten mit dem neuen Modell. Auch die lieblose Verarbeitung wird bemängelt. Hauptkritikpunkte sind jedoch die Überhitzungsprobleme sowie die Gefahr eines Rahmenbruchs. Letzteres hat Honda per Brief an die meisten Kunden allerdings ausgeschlossen. Weil aber Rahmenbrüche in der Vergangenheit durchaus vorgekommen sind, bleibt bei Fahrten mit  Sozius und Reisegepäck doch ein gewisses Unbehagen, auch dann, wenn Honda auf die geforderten verlängerten Garantiezeiten eingehen sollte.

Zur absoluten Verunsicherung der Gold-Wing Fahrer hat nun auch noch die Anzahl der in Deutschland betroffenen Maschinen beigetragen. Waren es anfangs angeblich nur 9 Motorräder, deren Rahmen nachgeschweißt werden mussten, so hat sich nach einer Recherche der IG diese Zahl inzwischen auf 24 erhöht!

Das Nachschweißen dieser Rahmen aus Aluminium sei außerdem nicht unproblematisch, so die IG. Honda lässt die betroffenen GL 1800 in Gent in Belgien schweißen. Wie das vor sich geht, kann man auf der Homepage der Interessengemeinschaft sehen und nachlesen: http://www.goldwingfreunde-sued.de/rahmenbruch.htm und http://www.goldwingfreunde-sued.de/rahmen.htm

Ein auf Motorradrahmen spezialisiertes Unternehmen äußerte sich gegenüber der IG skeptisch zu dem Verfahren, das Honda seinen Kunden zumutet. Sie vertritt die Ansicht, dass Motorradrahmen auch nicht in eingebautem Zustand geschweißt werden sollten, schon gar nicht bei Motorrädern dieser Gewichtsklasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es wurde rege diskutiert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine kleine Pause muss auch mal sein

 

Den zweiten Kritikschwerpunkt bilden die Überhitzungsprobleme des Motors, die bei vielen Maschinen bei sehr langsamen Fahrten in den unteren Gängen auftreten, vornehmlich also bei Passfahrten, aber auch im Stadtverkehr oder bei „stop and go“ auf der Autobahn. Der Kühltemperaturanzeiger wandert dann ins rote Feld. Bei Weiterfahrt kocht die Maschine und das, obwohl Honda mit einem „ausgeklügeltem Kühlsystem“ wirbt, welches allerdings von der Interessengemeinschaft der Gold-Wing Freunde Süd eher als völlig unzureichend bezeichnet wird. Unverständlich ist, dass solche Missstände bei einem so sündhaft teueren Luxustourer auftreten. Unverständlich aber auch die Art und Weise, wie Honda sich diesen Themen stellt und wie lange es gedauert hat, bis man sich dort überhaupt damit beschäftigte. Grund genug für unzufriedene Besitzer, ihrem Ärger Luft zu machen. Mit ihren rund 140 Superbikes fanden sie sich bereits im September zu einer Kundgebung vor den Toren von Honda Motor Europe (North) in Offenbach ein. Mit einer Zusage der Geschäftsleitung, sich der Probleme unverzüglich anzunehmen, fuhren die Biker damals heim und warten noch heute auf akzeptable Lösungen. Zwar werden zwischenzeitlich modifizierte (d.h. umprogrammierte) ECM-Steuergeräte angeboten, die aber nicht überzeugen. So wird durch diese Steuergeräte der Zündzeitpunkt in gewissen Situationen zurückverlegt, was zu einer niedrigen Verbrennungstemperatur führen soll. Ein Widerstand soll außerdem das Anzeigeinstrument für den Fall, dass trotzdem eine Überhitzung eintritt, manipulieren. Die Gold-Wing Freunde sind überzeugt, dass auf diese Weise das Problem nicht beseitigt wird sondern dass es nach wie vor eintritt, nur ein wenig später. Deshalb sei diese Maßnahme nicht zur Beseitigung der Ursache geeignet. Das sei lediglich ein „Herumdoktern an den Symptomen“.

Honda USA habe gegenüber den Gold-Wing Fahrern bereits im März letzten Jahres das Überhitzungsproblem in einer Presseerklärung eingestanden und eine schnelle Behebung durch neue Steuergeräte der 2004er Serie, die ohne diesen -mit Widerständen bestückten- Nebenkabelbaum auskommen,  versprochen. Diese Zusage wolle man offensichtlich bei Honda Europe North aber so nicht umsetzen. Statt dessen setze man in Offenbach auf eine „Produktoptimierung“ in der zuvor geschilderten Weise, von der die Kritiker allerdings nicht überzeugt sind. Ob es ohnehin überhaupt möglich sei, durch Steuerungsgeräte endgültig Abhilfe zu schaffen, bleibe offen. Wahrscheinlich führe letztlich nur eine Konstruktionsänderung des Kühlsystems zu dem gewünschten Erfolg, zumal derzeit die Kühlventilatoren gegen den Fahrtwind arbeiten müssen, was sicher bei bestimmten Fahrsituationen zu einem Luftstau im Kühler führe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Teilnehmer untereinander im Gespräch

Wolfgang erzählt über seine Erfahrungen mit seiner GoldWing (stehend)

 

 

 

 

 

 

 

Zur Tagesordnung in Rödermark:

Der Erfahrungsaustausch begann mit einem Rückblick auf die Kundgebung am 15. September letzten Jahres vor den Toren von Honda Europe North in Offenbach. Ca. 140 Fahrer trafen sich dort, um bei der Europaniederlassung auf die Probleme mit der neuen Gold-Wing hinzuweisen. Bemängelt wurde die schlechte Verarbeitungsqualität und insbesondere die Überhitzungs- und Rahmenprobleme. Ganz besonders kritisiert wurde damals aber auch die wenig kooperative Haltung von Honda. Leider habe sich trotz der Zusagen des Herrn Tief von Honda daran jedoch wenig geändert. Teilnehmer in Rödermark beklagten, dass Schreiben derzeit offenbar gar nicht mehr beantwortet werden.

Im weiteren Verlauf der Tagesordnung fanden Vorträge zu der Rahmen- und Überhitzungsproblematik statt. 

Das Überhitzungsproblem so wie die Versuche von Honda, hier Abhilfe zu schaffen, bzw. die Symptome zu beseitigen, wurden sehr anschaulich und verständlich in chronologischer Reihenfolge dargestellt. Die von Honda jetzt praktizierte „Produktoptimierung“ überzeugte jedoch nicht in Sinne der Ursachenbeseitigung. Die Teilnehmer waren der Meinung, dass letztlich nur eine neu konstruierte Lüftung, die nicht mehr gegen die Fahrtrichtung bläst, Abhilfe schaffen könne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und alle hörten auch zu

 

 

 

 

 

 

 

Die Veranstalter beim Vortragen der vorgelegten Themen

Der Vortrag über die GL-Rahmen wurde mit einem Video-Film abgerundet.  Auch zu diesem Thema verblieb ein großes Unbehagen, weil  im Gegensatz zu der verhältnismäßig geringen Zahl in  Deutschland in den USA über 8.000 Rahmen von der Rahmenrückrufaktion betroffen sind. Hier bleiben Zweifel, inwieweit sich der Kreis der betroffenen Fahrzeuge  exakt eingrenzen lässt, zumal es in USA offenbar Rahmenbrüche außerhalb des Rückruf-Kreises gegeben hat. Deutlich wurde auch die generelle technische Schwierigkeit des Schweißens von Motorradrahmen aus einer Aluminium-Legierung. Andere Motorrad-Hersteller gehen deshalb über zu Rahmen aus Aluminium-Guss.

Wegen der verbleibenden Unsicherheiten forderten die Teilnehmer neben einer verlängerten Gewährleistungsfrist auf den Rahmen eine generelle und genaue Untersuchung der Schweißnähte mit geeigneten Geräten bei jeder einzelnen GL 1800.

Die Ergebnisse der von der IG veranlassten Qualitätsumfrage zur GL 1800 wurden bekannt gegeben.  Schlechte Verarbeitungsqualität, Lenkerflattern, Scheuerstellen an der Tankattrappe, schlechter Lack, scheuernde und schwergängige Kofferdeckel mit unregelmäßigen Spaltmaßen wurden allgemein bemängelt. Überhitzung tritt bei knapp 50% der Maschinen auf. Das ist ein hoher Anteil, da es sich hierbei ja um einen  gravierender Mangel und nicht um einen Schönheitsfehler handelt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Gast der Verbandsvorsitzende der Hondahändler (links)

 

 

 

 

 

1.Platz für die weiteste Anreise 670 KM, Herbert (Mitte)

 

 

 

Fazit:

Obwohl die GL 1800 bereits im dritten Jahr produziert wird, ist die Verarbeitung noch nicht besser geworden.

In Sachen Kundenbetreuung von Honda Europe North besteht ebenfalls lt. Umfrage noch erheblicher Nachholbedarf, die wurden laut Umfrage mit 4,8 bewertet. Eigentlich sollte doch der Kunde König sein, aber manchem entsteht der Anschein, dass der Kunde bei Honda Bettler ist.

Es werden unakzeptable Ferndiagnosen gestellt, die so nicht korrekt sind. Häufig  heißt es ganz einfach: „Wenden Sie sich an Ihren Vertragshändler“, obwohl der total überfordert ist.

Die Motorrad Berichterstattung wurde aufgrund unserer Hinweise ein wenig besser, zuvor hat man nichts über irgendwelche Mängel gelesen.

Honda Vertragshändler wurden in der Qualitätsumfrage mit der Note 2,8 bewertet, auch in diesem Punkt sollte sich noch einiges verbessern.

 

2. Platz Günter mit 370 KM (rechts)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ältester Teilnehmer mit 67 Jahren, Heinz (Mitte)

Weitere Vorgehendweise:

Man war sich einig, dass –sofern die Forderungen waeiterhin nicht zur Zufriedenheit von Honda erfüllt werden- eine weitere, intensive Pressearbeit unter Einschaltung aller Medien sowie eine Intensivierung des IG Forum’s erfolgen soll. Ferner  werde man eine weitere Kundgebung  in größerem Umfang, als im letzten Jahr, veranstalten.

Ganz deutlich zeigte sich nach Vorträgen über verschiedene Möglichkeiten der rechtlichen Vorgehensweise gegenüber Honda die Bereitschaft und Entschlossenheit zur Beschreitung des Rechtsweges. 

 

Allgemeines:

Die meisten Teilnehmer bekräftigten ihre grundsätzliche Absicht und ihren Wunsch, weiterhin Gold-Wing Fahrer zu bleiben. Das setze aber ein rasches Handeln von Honda hinsichtlich der Beanstandungen und Probleme voraus. Wichtig sei es vor allem, wieder ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und den Kunden eine optimale und zuverlässige Maschine an die Hand zu geben, wie sie es von dem Vormodell gewohnt waren. Um diese Ziel zu erreichen, werde man die IG  in ihrer Arbeit weiterhin unterstützen und notfalls sogar mit ihr zusammen rechtliche Schritte gegen Honda zu beschreiten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abends gabs noch was leckeres zu Essen

 

 

 

 

 

 

 

Jüngster Teilnehmer mit 42 Jahren (links)

Schlussbemerkung:

Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die Tagung der IG am 17.1.2004 in Röderbach eine gelungene Veranstaltung und ein wichtigen Erfahrungsaustausch zur Festlegung weiterer Strategien zur Wahrung der Interessen aller GL-1800-Fahrer  bewertet wurde. Während Gold-Wing-Fahrer früherer Modelle bei ihren Zusammenkünften ihre Maschinen in höchsten Tönen lobten, überwiegt bei Treffen der GL 1800-Fahrer doch leider die Kritik. Mit diesem Thema will die Gemeinschaft konstruktiv und erfolgsorientiert umgehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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